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ROTER REGEN
Zwar ist Sardinien kein weißer Fleck auf der Landkarte, aber man wird auch im »dunklen Afrika« lang suchen müssen, bis man ein Fleckchen Erde findet, das ebensowenig bekannt ist. Erst seit einigen Jahren, seit mit dem famosen DDT die Malaria ausgerottet wurde, ist die Insel in das Blickfeld Europas getreten. Ein immer stärker anwachsendes Rinnsal teilt sich alljährlich vom Strom der Reisenden ab, der nach dem Süden fließt, und wer den Mut hat, trotz aller Schauerlegenden, die über Sardinien erzählt werden, eine Überfahrt zu wagen, der darf sich auch heute noch als Entdecker fühlen.
Man muß vor dieser Reise einige gutgemeinte Warnungen hinnehmen: Als ich vor fünfzehn Jahren zum erstenmal hinüberfuhr, sagte man mir: Wer nach Sardinien geht, bleibt auf Sardinien! Damals hielt ich dieses in Italien allgemein bekannte Wort für eine jener sentimentalen Weisheiten, die etwa zu wissen vorgeben: Wer einmal in Afrika war, der sehnt sich sein Leben lang dahin zurück. - Oder: Wer eine Münze in den Trevi-Brunnen wirft, kommt wieder nach Rom. Erst als ich in der Nähe von Cagliari römische Inschriften sah, aus denen man schließen konnte, daß Beamte des alten Rom, die nach Sardinien strafversetzt wurden, sofort bei ihrer Ankunft einen Grabstein für sich bestellten, wurde mir der infame Hintersinn dieses Wortes klar.
Vor vier Jahren setzte ich wieder über, und da warnte man mich: Geh nicht nach Sardinien, dort sind jetzt die Räuber an der Macht! Damals wußte ich schon, daß sar-dische Räuber niemals Macht oder politischen Einfluß erstreben. Also fuhr ich trotzdem hinüber, wunderte mich aber, daß die Warnung auf der Insel noch mehrmals
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