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67NACHWORTWie so vieles im Leben des Komponisten der Serva Padrona, das durch seine grausame Kürze die Phantasie der Nachweit beschäftigte, so wenig es die der Mitwelt berührt hat - war es doch nichts anderes als eine fast ununterbrochene Kette von Mißerfolgen oder halben Er--folgen! - ist auch die Entstehung des Stabat Mater von Pergolesi ein Gegenstand der Legendenbildung ?.ewesen. Die allgemeine Annahme, es sei sein Schwanengesang, ähnlich wie bei Mozart das Requiefn, ist schon im 18. Jahrhundert zugunsten des Salve Regina bestritten worden; Paisiello versicherte sogar, Pergolesi habe es schon kurz nach seinem Abgang vom Konservatorium geschrieben; andere wieder verlegten seine Entstehung in die Zeit der Aufführung der Olimpiádé zu Rom; wieder andere Quellen betonen, Pergolesi habe es überhaupt nicht vollenden können, und die letzte Strophe, Quando corpus morie-tuT, habe von Leonardo Leo nachkomponiert werden müssen - eine Behauptung, die durch das Autograph ohne weiteres Lügen gestraft wird. Dagegei: erzählt der erste Biograph Pergolesis, der sich um geschichtliche Zuverlässigkeit bemühte, der Márchese di Villarosa (1831), daß Pergolesi bevor er sich zur Aufführung der Olimpiádé nach Rom begab, von der Erzbruderschaft der Cavalieri della Vergine de'Dolori (einer Kongregation von napoiitanischen Adeligen, die ihre erbaulichen Zusammenkünfte erst in der Kirche San Luigi di Palazzo dei P.P.Minimi, und dann in der benachbarten Kirche San Ferdinande abhielten) beauftragt worden sei, an Stelle des Stabat Mater von Ales-sandro Scarlatti für zehn vorausbezahlte Dukaten ein neues zu komponieren. Dokumentarisch bezeugt ist das auch nicht, aber es hát, wie auch Giuseppe Radiciotti betont (dessen Pergolesi-Monographie ich diese Angaben entnehme), alle Wahrscheinlichkeit für sich. Scarlattis Stabat Mater ist genau für die gleichen Mittel komponiert wie das Stabat Pergolesis; Sopran, Alt und Streicher. Das war für diesen Text durchaus nicht die Regel: die berühmtesten Kompositionen der Sequenz des Jacopone daTodi um 1700 waren für einen weit stärkeren Apparat berechnet - diejenige Agostino Steffanis für sechs Stimmen und reichstes Streicherorchester, die Emanuele d'Astorgas für vier Gesangsparte und eine vermutlich auch durch Bläser belebte Streicherbegleitung. Und wenn auch Scarlattis Stabat in seine letzte Schafíensperiode fallen dürfte und nicht einmal zwanzig Jahre älter war als das Pergolesis; es ist eines seiner herbsten und eigenwilligsten Werke und mochte leicht dem modischen Geschmack der Kongregationsmitglieder, die vermutlich alle ihre Logen im Teatro San Bartolomeo besaßen, nicht mehr