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GRÖSSE UND GEFAHR DER STÜRME
Der Mensch lebt auf dem Grunde eines dichten, turbulenten Meeres von Gasen. Dieses Gemisch aus Stickstoff, Sauerstoff, Argon und Kohlendioxyd, das man Luft nennt, bildet eine etwa 15 Kilometer dicke Schicht, die sich in ständiger Bewegung befindet. Die Turbulenzen und Luftströmungen haben unterschiedliche Geschwindigkeiten, Drücke und Temperaturen. Wenn wandernde Luftmassen miteinander kollidieren oder sonstwie aufeinander einwirken, ziehen oft Stürme über die Erdoberfläche.
Ein einziges Gewitter kann 475 Millionen Liter Niederschlag bringen und so viel Wärme freisetzen, daß deren Energie ausreichen würde, um die gesamten Vereinigten Staaten von Amerika 20 Minuten lang mit Strom zu versorgen. Bei einem schweren Hurrikan betragen diese Werte das Zwölftausendfache.
Mit ihrer furchtbaren Gewalt haben Stürme schon traurige Rekorde des Todes und der Zerstörung aufgestellt. In Bangladesch forderte 1970 ein tropischer Zyklon mit Wolkenbrüchen und Windgeschwindigkeiten von 200 Stundenkilometern 300 000 Menschenleben. Und doch sind die Stürme wichtig für das Erdklima. Als „Klimaanlage" unseres Planeten tauschen sie ständig Warmluft aus den Tropen gegen Kaltluft von den Polen aus. Stürmische Winde reinigen die Luft von giftiger Verschmutzung, und - Regenwolken transportieren das lebenswichtige Wasser in trockene Regionen.
Obwohl die Menschheit seit jeher sowohl unter Stürmen leidet als auch von ihnen profitiert, hat die Wissenschaft erst seit kurzem begonnen, das Sturmgeschehen zu verstehen. Die ersten Erkenntnisse wurden durch die Erfindung des Thermometers und Barometers im 17. Jahrhundert möglich. Heute beobachten Flugzeuge und Erdsatelliten Stürme, die an den entlegensten Orten der Welt entstehen, und Computer erleichtern die Wettervorhersage durch ein gewaltiges Datenmaterial.
Je mehr die Meteorologie über Stürme in Erfahrung bringt, desto mehr erkennt sie auch deren große Kompliziertheit. Ein über den Pazifik brausender Taifun kann Millionen Ku-bikkilometer Luft auf so vielfältige Weise beeinflussen, daß auch der modernste Computer vor der Aufgabe, alle Daten zu erfassen, kapitulieren müßte.
Um den ewigen Wandel in der Natur zu beschreiben, sagte der griechische Philosoph Heraklit einmal, daß ein Mensch nicht zweimal in denselben Fluß steigen könne. So ist es auch mit Stürmen, die sich immer wieder eine neue Identität zulegen und unaufhörlich des Menschen Neugierde und Angst wecken.