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Hans Bausenhardt - Süditalien [antikvár]
 
Süditalien - ein kaum entdecktes Wanderland »In Italien geht Niemand zu Fuss und wer es dennoch unternimmt, wird verachtet oder verlacht was hätte es auch für einen Zweck, auf staubiger Landstraße, an einförmigen Kulturen und den ewigen Bäumen und Bäumchen vorüber, Schritte zu machen und sich in Schweiss zu setzen? Auch erhabene Punkte besteigt Niemand, es müsste denn sein, dass oben eine Kapelle mit einem wunderthätigen Bilde stünde, dessen Gnadenwirkung den Betenden für die verhaßte Anstrengung entschädigte.« Der...
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Süditalien - ein kaum entdecktes Wanderland »In Italien geht Niemand zu Fuss und wer es dennoch unternimmt, wird verachtet oder verlacht was hätte es auch für einen Zweck, auf staubiger Landstraße, an einförmigen Kulturen und den ewigen Bäumen und Bäumchen vorüber, Schritte zu machen und sich in Schweiss zu setzen? Auch erhabene Punkte besteigt Niemand, es müsste denn sein, dass oben eine Kapelle mit einem wunderthätigen Bilde stünde, dessen Gnadenwirkung den Betenden für die verhaßte Anstrengung entschädigte.« Der Ratschlag Victor Hehns von 1879 ist durchaus aktuell. Süditaliener wandern selten, auch wenn die Leute auf dem Land noch vor wenigen Jahren die meisten Wege zu Fuß, mit Esel und Karren machten. Daß Fremde, die in der Regel ihr Auto dabei haben oder es sich leisten könnten, diese Mühsal auf sich nehmen, löst immer wieder Verwunderung aus, am meisten bei Bauern und Hirten, die ihr Terrain zu Fuß kennen. Am ehesten akzeptieren sie wandern als sportliche Betätigung, aber ein wenig Kopfschütteln bleibt immer. Süditalien ist ein junges Reiseziel. Nur der Golf von Neapel war seit Anfang des 19. Jh. besucht. Musiker, Maler und Schriftsteller waren in Amalfi, Positano, auf Ischia und Capri die Pioniere; das wohlhabende europäische Bürgertum folgte erst später ihren Spuren. Das südliche Kampanien jenseits von Eboli und Paestum, Apulien, die Basilikata und Kalabrien blieben meist abseits der Reiserouten. Bis zum Bau der Eisenbahnen und der Staatsstraßen nach der italienischen Einigung bewegten sich die wenigen Reisenden mit Hirten und Bauern als Führern auf Saumwegen und Pfaden, die sie selbst nie gefunden hätten. Reisen war gefährlich, auch wenn in der zeit romantischer Räuberromane die Nachrichten über Briganten oft übertrieben waren. Der moderne Tourismus entdeckte diese Regionen recht spät (zwischen 1965 und 1970), veränderte aber in wenigen Jahren viele Küstenlandschaften. Doch schon wenige Kilometer landeinwärts findet man Städte und Dörfer, die noch Ländlichkeit ausstrahlen. Auch wenn die Lebensverhältnisse schwierig sind, leben hier noch Heiterkeit und Freundlichkeit sowie die Lust, mit dem vorüberkommenden Fremden zu sprechen. wandern, >Trekking< genannt wurde für junge Süditaliener zur Begegnung mit der eigenen Geschichte. Sie machen nach Jahren der Gleichgültigkeit einen Neuanfang, nachdem die Vergangenheit verachtet und abgelehnt wurde, dem Süden die Lebensmodelle des Nordens übergestülpt wurden und ganze Dörfer unter Brombeerranken und Farn verschwanden.

Termékadatok

Cím: Süditalien [antikvár]
Szerző: Hans Bausenhardt
Kiadó: DuMont Buchverlag
Kötés: Varrott papírkötés
ISBN: 377012412X
Méret: 120 mm x 210 mm
Hans Bausenhardt művei
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