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Friedrich Möbius - Summa Summarum [antikvár]
 
KRITIK DES HERZENS 1874 Es wohnen die hohen Gedanken In einem hohen Haus. Ich klopfte, doch immer hieß es: Die Herrschaft fuhr eben aus! Nun klopf ich ganz bescheiden Bei kleineren Leuten an. Ein Stückel Brot, ein Groschen Ernähren auch ihren Mann Sei ein braver Biedermann, Fange tüchtig an zu loben! Und du wirst von uns sodann Gerne mit emporgehoben. Wie, du ziehst ein schiefes Maul ? Willst nicht, daß dich andre adeln? Na, denn sei mir nur nicht faul Und verlege dich aufs Tadeln. Gelt, das ist ein Hochgenuß, Schwebst du so mit...
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KRITIK DES HERZENS 1874 Es wohnen die hohen Gedanken In einem hohen Haus. Ich klopfte, doch immer hieß es: Die Herrschaft fuhr eben aus! Nun klopf ich ganz bescheiden Bei kleineren Leuten an. Ein Stückel Brot, ein Groschen Ernähren auch ihren Mann Sei ein braver Biedermann, Fange tüchtig an zu loben! Und du wirst von uns sodann Gerne mit emporgehoben. Wie, du ziehst ein schiefes Maul ? Willst nicht, daß dich andre adeln? Na, denn sei mir nur nicht faul Und verlege dich aufs Tadeln. Gelt, das ist ein Hochgenuß, Schwebst du so mit Wohlgefallen Als ein sel'ger Kritikus Hocherhaben über allen. Es sitzt ein Vogel auf dem Leim, Er flattert sehr und kann nicht heim. Ein schwarzer Kater schleicht herzu. Die Krallen scharf, die Augen gluh. Am Baum hinauf und immer höher Kommt er dem armen Vogel näher. Der Vogel denkt: Weil das so ist Und weil mich doch der Kater frißt, So will ich keine Zeit verlieren, Will noch ein wenig quinquillieren Und lustig pfeifen wie zuvor. Der Vogel, scheint mir, hat Humor. Ich kam in diese Welt herein, Mich baß zu amüsieren. Ich wollte gern was Rechtes sein Und mußte mich immer genieren. Oft war ich hoffnungsvoll und froh, Und später kam es doch nicht so. Nun lauf ich manchen Donnerstag Hienieden schon herummer. Wie ich mich drehn und wenden mag, 's ist immer der alte Kummer. Bald klopft vor Schmerz und bald vor Lust Das rote Ding in meiner Brust. Der Hausknecht in dem „Weidenbusch" Zu Frankfurt an dem Main, Der war Poet, doch immer kurz. Denn wenig fiel ihm ein. Ja, sprach er, Freund, wir leben jetzt In der Depeschenzeit, Und Schiller, kam er heut zurück, War auch nicht mehr so breit. Die Selbstkritik hat viel für sich. Gesetzt den Fall, ich tadle mich, So hab ich erstens den Gewinn, Daß ich so hübsch bescheiden bin; Zum zweiten denken sich die Leut, Der Mann ist lauter Redlichkeit; Auch schnapp ich drittens diesen Bissen Vorweg den andern Kritiküssen; Und viertens hoff ich außerdem Auf Widerspruch, der mir genehm. So kommt es denn zuletzt heraus, Daß ich ein ganz famoses Haus. Es kam ein Lump mir in die Quer Und hielt den alten Felbel her. Obschon er noch gesund und stark, Warf ich ihm dennoch eine Mark Recht freundlich in den Hut hinein. Der Kerl schien Philosoph zu sein. Er sprach mit ernstem Bocksgesicht: Mein Herr, Sie sehn, ich danke nicht. Das Danken bin ich nicht gewohnt. Ich nehme an, Sie sind gescheit Und fühlen sich genug belohnt Durch Ihre Eitelkeit.

Termékadatok

Cím: Summa Summarum [antikvár]
Szerző: Friedrich Möbius , Wilhelm Busch Wolfgang Teichmann
Kiadó: Eulenspiegel Verlag
Kötés: Vászon
Méret: 240 mm x 310 mm
Friedrich Möbius művei
Wilhelm Busch művei
Wolfgang Teichmann művei
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