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1.
Resa biss die Zähne zusammen, um nicht vor Schmerz aufzuschreien, als Rodegard von Stehens Reitgerte ihren Rücken traf.
»Du dummes, unfähiges Ding!«, schrie ihre Herrin sie an und wies mit der Gerte in Richtung Wald. »Mach, dass du den Holzarbeitern das Essen hinausträgst. Zu etwas anderem bist du nicht zu gebrauchen.«
»Verzeihen Sie, gnädige Frau, aber die Köchin hat mir angeschafft, den Männern das Essen zu bringen«, wandte Bertha ein. Sie war in Resas Alter, im Gegensatz zu dieser etwas pummlig und nicht besonders fleißig.
Das wusste auch Rodegard von Stehen, und ihr war klar, dass es klüger wäre, den Trampel Bertha in den Forst zu schicken und die geschickte Resa im Schloss zu behalten. Das ließ jedoch ihr Stolz nicht zu. Ihre Abscheu gegen das Mädchen hatte bereits vor Resas Geburt begonnen und sich in den sechzehn Jahren, die seither vergangen waren, noch gesteigert. Wagte diese schmutzige, kleine Magd es doch, ihre eigene Tochter weit in den Schatten zu stellen. Resa war nur wenig kleiner als sie selbst, feingliedrig und eindeutig zu hübsch. Trotz der ländlichen Tracht und dem hellblonden, zu einem einfachen Zopf geflochtenen Haar war die Ähnlichkeit mit dem Bild unübersehbar, das Freifrau Rodegard vor zwei Jahren auf den Speicher hatte räumen lassen. Das verbannte Porträt zeigte die Mutter ihres Gemahls, eine überstolze Frau, der sie trotz einer großen