Bővebb ismertető
1 Allgemeine Grundlagen
1.1 Fontane in seiner Zeit
1.1.1 Schriftstellcrexistenz
Die endgültige Entscheidung für eine Existenz als »freier« Schriftsteller trifft Fontane (1819—1898) als fast Sechzigjähriger. Ein ungewöhnlicher Schritt in einem Lebensabschnitt, in dem andere oft bereits die Früchte bürgerlicher Existcnzabsicherung zu genießen beginnen oder Kollegen wie etwa Raabe — allerdings siebzigjährig — resigniert die Feder niederlegen. Für Fontane war dieser Entschluß nicht ohne soziale und biographische Vorgaben. Als Dreißigjähriger gibt er den erlernten Apothekerberuf auf und versucht erstmals als »freier« Schriftsteller zu leben. Diesem Versuch von 1849 sollten zwei weitere folgen, jedesmal von stärkerem Selbstbewußtsein neben dem ständigen Selbstzweifel getragen. Der kompromißlose Schritt von 1876 bedeutet die endgültige Selbstfindung als Dichter. Er leitet die letzten und produktivsten zwei Jahrzehnte seines Lebens ein. In dieser Zeit schreibt Fontane neben Autobiographischem, Erzählungen, Essays und Kritiken allein sechzehn Romane und eine Unzahl von Briefen. Der >alte< Fontane findet zu seinem >Eigentlichen<: zur Weisheit sublimierte Beobachtung und Erfahrung des Lebens, realistische Durchdringung der zeitgenössischen Wirklichkeit, die im Einzelfall soziale und gesellschaftliche Verantwortlichkeiten haftbar zu machen versteht, und kritische Bewußtwerdung als Gestaltungsprinzipien im Werk konzentrieren sich zur sozialen Verantwortung des Schriftstellers. In der Ablehnung einer als kunstwidrig empfundenen Trennung von Literatur und Gegenwart, von Literatur und Gesellschaft (auch als Kritik an seiner eigenen Vergangenheit in der Berliner Künstlervereinigung »Der Tunnel« in den vierziger Jahren) formuliert Fontane in aufklärerischer Tradition den deutschen Beitrag zur europäischen Literatur des 19. Jahrhunderts. In der Einheit von stofflichem Zugriff und formaler Gestaltung wird Fontane zum gewichtigen Vorbild für manche Romanciers des 20. Jahrhunderts (Th. Mann, H. Broch). Fontanes Weg dorthin war persönlich beschwerlich, poetisch oft unbefriedigend und sozialliterarisch von einiger Zwangsläufigkeit. In vielem ist Fontane ein typischer Vertreter der bürgerlichen Intellektuellen im 19. Jahrhundert. Als gescheiterter Gymnasiast, Gewerbeschüler und Apothekerlehrling spürt er schnell das Unbefriedigende seiner Existenz und findet sich, politisch und literarisch interessiert, im Sog der Vorrevolutionszeit und politischen Tendenzlyrik der Herwegh und Freiligrath. Persönliche Erfahrungen und Beobachtungen - ein empirischer Fundus, den er zeitlebens für die literarische Produktion fruchtbar machte - verdichten sich zu gesellschaftlichen Erkenntnissen, die ihn oft verzweifeln lassen. Weder seine gesellschaftlich-politischen Einsichten noch