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Der junge Mann, der am Fuße des Ponte Vecchio zerstreut ein Stück Papier zerriß und die Fetzen ziellos in die Fluten des Arno flattern ließ, wollte sterben.
Schon seit langer Zeit trug er sich mit der Absicht, seinem Leben ein Ende zu bereiten. Zuerst war dieser Gedanke als eine müde Unlust in ihm aufgetaucht, hatte langsam immer greifbarere Formen angenommen; endlich war der Entschluß gereift: Ich will sterben! Der junge Mann betrachtete sein Dasein mit den dreiundzwanzig Lebensjahren sowieso als abgeschlossen. Er zählte sich gewissermaßen schon zu den Toten. Wann er jenen Strick, den er zu Hause heimlich bereithielt, um den Hals knüpfen würde, erschien ihm fast gleichgültig. Einige Tage früher oder später, darauf kam es nicht an. Er hatte das Empfinden, daß es nichts als Trägheit war, wenn er nicht schon gestern oder gar vorgestern Hand an sich gelegt hatte. Aber gerade diese schlaffe, gemütlose Trägheit, mit der er nicht weiterleben wollte, hatte immer wieder sein Leben verlängert. An dieses Treibenlassen hatte er sich schon gewöhnt, daß er fast neugierig war, ob und wann sein Wille sich wohl aufraffen würde, den längst in allen Einzelheiten durchdachten Plan zu vollführen. Doch selbst diese Neugierde war kraftlos, er zuckte auch darüber die Achseln: Alles ist eitel!
Die sonst so klaren grünen Fluten des Stromes waren jetzt vom Herbstregen lehmiggelb gefärbt und flössen eintönig und gleichgültig wie die Unendlichkeit dahin und trugen die tanzenden Papierstückchen mit sich fort. Das Ziehen des Stromes weckte in ihm die Erinnerung. So wie die lehmigen Fluten vor seinen Blicken dahinglitten, ließ er sein junges Leben an sich vorbeiziehen, die einzelnen Glieder jener langen Kette, die sein Selbstmord zerreißen sollte. Vielleicht übermorgen, vielleicht auch in einer halben Stunde; denn er wußte von seinem eigenen, entschlußunfähigen Ich weder.