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ERSTES BUCH
ERSTES KAPITEL
Der junge Mann, der am Fuße des Ponte Vecchio zerstreut ein Stück Papier zerriß und die Fetzen ziellos in die Fluten des Arno flattern ließ, wollte sterben.
Schon seit langer Zeit trug er sich mit der Absicht, seinem Leben ein Ende zu bereiten. Zuerst war dieser Gedanke als eine müde Unlust in ihm aufgetaucht, hatte langsam immer greifbarere Form angenommen. Endlich war der Entschluß gereift: Ich werde sterben! Der junge Mensch betrachtete sein Dasein sowieso als etwas, das mit seinem dreiundzwanzigsten Lebensjahr sein Ende gefunden hatte. Er dachte an sich, als ob er bereits zu den Toten zähle, und wann er jenen Strick um den Hals knüpfen würde, den er zu Hause verborgen schon bereit hielt, schien ihm ganz gleichgültig. Einige Tage früher oder später, darauf kam es nicht an. Er hatte das Empfinden, daß es nichts als Trägheit war, wenn er nicht schon gestern, oder gar vorgestern Hand an sich gelegt hatte. Aber gerade diese schlaffe, gemütlose Trägheit, mit der er nicht weiterleben wollte, hatte immer wieder sein Leben verlängert. An seine Unfähigkeit, zu handeln, hatte er sich schon so gewöhnt, daß er fast neugierig darauf war, ob und wann sein Wille sich wohl aufschwingen würde, das schon längst in allen Einzelheiten Durchdachte zu vollbringen. Doch selbst diese Neugierde war kraftlos, er zuckte auch darüber die Achseln: Gleichviel, alles ist eitel!
Die zu anderen Zeiten so klaren, grünen Fluten des Stromes, vom Herbstregen lehmiggelb gefärbt, flössen eintönig und
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