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Arie der Palsirena, eines alten Weibes, atis dem Singspiel »Orontes« Ilg (i6y8)
1.
Alles ist nichtig/ Eitel und flüchtig/
Unsere Schönheit erstreckt sich nicht weit/ Alles vergehet/ Nichtes bestehet/
Brauchet ihr Jungfern der frölichen Zeit.
2.
Wenn auff" den Wangen
Rosen noch prangen/
O so versaget ja keinem den Kuß!
Rosen und Nelcken
Müssen verwelcken/
Endhch bezihen euch Runtzeln und Rus.
Zur Hamburger Barockoper
HS
»Eine Opera oder ein Sing-Spiel ist gewiß das galanteste Stück der Poesie/so man heut zu tage zu aestimiren pfleget.« Das konnte man in der so frisch geschriebenen wie exempel-reichen Abhandlung lesen, die der Satiriker und Opernpoet Christian Hunold, der sich in seinen Schriften Menantes nannte, 1707 unter dem Titel »Die Allerneuste Art/Zur Reinen und Galanten Poesie zu gelangen« in Hamburg erscheinen ließ. So oder ganz ähnlich hatten es freilich die Liebhaber der Schönen Wissenschaften und der Dichtkunst Beflissenen schon elf Jahre früher an der Alma mater in Leipzig vernommen, als der junge Theologe Erdmann Neumeister Vorlesungen zur deutschen Poetik hielt. Was der kluge und weltfrohe Magister, der schon 1697 Pastor im Thüringischen wurde, nicht selbst der Druckerschwärze ausliefern mochte, schickte er 1702 an den noch jüngeren Christian Hunold, der bis 1700 in Jena die Rechte studiert hatte und dann nach Hamburg gegangen war. Als Hunold fünf Jahre später die Quintessenz von Neumeisters Vorlesungen an die Öffentlichkeit brachte, war er kaum mehr als der Herausgeber, der der fremden Arbeit eine gewichtige Vorrede hinzufügte, den Verfasser jedoch - wohl auf dessen ausdrücklichen Wunsch -verschwieg. Was hätte er auch ändern sollen! Was 1696 in der Messestadt modern war, war es 1707 in der Hansestadt ebenso noch. Weniger neue Gedanken als die souveräne und leichtverständliche, oft recht keck, freilich nur von Hunold kompromißlos formulierte Zusammenfassung der zeitgenössischen Poetik und das hieß vor allem das theoretische Résumé der gegenwärtigen poetischen Praxis war beider Autoren eigentliches Verdienst.
Das galt auch von dem Satz, die Oper sei »das galanteste Stück der Poesie«, das gegenwärtig ästimiert werde. Er faßte nur zusammen, was die Theatersituation Nord- und Mitteldeutschlands seit einem Vierteljahrhundert schon bewies. Drama und Schauspiel waren allenthalben von der Oper überholt oder gar derart verdrängt worden, daß Hunold bereits 1706 mit gutem Recht die Oper als das »Haupt-Werck Theatralischer Gedichte« bezeichnet hatte. Was Wanderbühne und Schultheater noch zu leisten vermochten, nahm sich dagegen dürftig aus. Noch deutlicher erklärte 1713 Ulrich König,