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Vorwort Unter den vielfältigen Formen, in denen sich die überragende Bedeutung eines Autors zu erkennen geben kann, gibt es auch die paradoxe Möglichkeit, ihm die Autorschaft an seinen Werken rundweg abzusprechen. Tatsächlich wurde der ernsthafte Versuch unternommen, William Shakespeare als Strohmann eines oder mehrerer Schriftsteller zu entlarven: zu unwahrscheinlich erschien es im nachhinein, daß ein Schauspieler und späterer Theaterbesitzer, über dessen Jugend und Ausbildung kaum etwas bekannt war, dieses unter seinem Namen überlieferte Gesamtwerk von über dreißig Dramen, zahlreichen Gedichten und zwei Versepen geschaffen haben könnte - wobei sich der Zweifel weniger auf die Quantität bezog als vielmehr auf die unermeßliche Spannweite der Imagination und ihrer Verkörperung in Gestalten und Handlungen, verbunden mit unvergleichlichen Kenntnissen aus allen Wissensgebieten. Heute ist die Zeit des radikalen Shakespeare-Zweifels längst überwunden, auch wenn sich die Philologen über die Zuschreibung des einen oder anderen Stückes noch Gedanken machen. Der forschende Blick erkennt die zeitgeschichtlichen Zusammenhänge, in denen Shakespeare und sein Werk stehen (wobei diese Bezüge eher indirekter Natur sind), und er vermag eine durchaus individuelle Entwicklung im Schaffen Shakespeares aufzuspüren. Sie läßt sich hinsichtlich des dramatischen Ouvres in vier Schaffensperioden von 1590 bis 1611 gliedern (Shakespeare ist zu Beginn dieses Zeitraums 26 Jahre alt, sein letztes Drama entsteht fünf Jahre vor seinem Tod im Jahr 1616 - in dem auch Cervantes stirbt). Die erste dieser Schaffensperioden enthält die frühen Historien (darunter die Trilogie Heinrich VI.") und zwei der populärsten Stücke: Romeo und Julia" und Ein Sommernachtstraum". Zwischen 1595 und 1600 sind neben den Königsdramen die nicht zuletzt auf die Belustigung bei Hofe bezogenen Komödien Viel Lärm um nichts", Wie es euch gefällt", Was ihr wollt" entstanden. Dem ersten Jahrzehnt des 17. Jahrhunderts gehören die großen Tragödien an, von ,,Julius Cäsar" über Hamlet", Othello" und Macbeth" bis zu König Lear", ferner die Tragikomödien Ende gut, alles gut" und Maß für Maß". Als Ausklang und zugleich poetischer Höhepunkt lassen sich die Romanzen Cymbeline", Das Wintermärchen" und Der Sturm" verstehen.