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GESTA ROMANORUM
Die feindlichen Brüder
In den „Taten der Römer" kann man lesen, daß unter zwei Brüdern eine so große Zwietracht herrschte, daß der eine Bruder alle Ländereien des anderen verwüstete. Der Kaiser Julius hörte das und verfolgte darauf diesen Bruder mit großer Härte. Als der von der Ungnade des Kaisers erfuhr, kam er zu seinem Bruder, dem er so viel Schlimmes angetan hatte, flehte ihn um Barmherzigkeit an und bat ihn obendrein noch, zwischen dem Kaiser und ihm den Frieden wiederherzustellen. Die Umstehenden aber sagten, daß er nicht Frieden verdient habe, sondern schwere Strafe. Da antwortete ihnen der Bruder, der um Frieden gebeten worden war, folgendes: „Den Fürsten darf man nicht lieben, der im Kriege sanft ist wie ein Lamm, im Frieden aber streng wie ein Löwe. Mag also mein Bruder auch nicht um mich den Frieden verdienen, so will ich ihm trotzdem die Aussöhnung vermitteln, wenn ich es vermag, weil das Unrecht, das er mir angetan hat, damit schon genug gerächt ist, daß er mich um Erbarmen anfleht." Und so stellte er zwischen dem empörten Kaiser und seinem Bruder den Frieden wieder her.
Von der Habsucht der Steuereinnehmer
Josephus berichtet, daß Kaiser Tiberius auf die Frage, warum er die Statthalter dér Provinzen so lange in ihren Ämtern ließe, mit einem Gleichnis geantwortet habe. „Ich habe einmal", sagte er, „einen Kranken gesehen, der voll von Geschwüren war und von Fliegen belästigt wurde. Als ich ihm die Fliegen mit einem Wedel wegjagte, sagte er zu mir: .Doppelt quälst du mich mit dem, womit du mir Linderung zu verschaffen meinst, indem du nämlich die mit meinem Blut gefüllten Fliegen wegscheuchst und dafür blutleere und hungrige herschickst.' Wer könnte nämlich bezweifeln, daß der Stachel einer hung-