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Tor zum Tessin Tessin - ein doppelsinniges Wort! Mit dem Artikel der ist es ein ungestümer Gebirgsfluss, der von seiner Wiege am 2478 Meter hohen Nufenenpass wahrend seines 90 Kilometer langen Laufes die asketische Kargheit des Bedrettotales erfáhrt, Felsenstufen überspringt, Granitriegel aufbricht, Schluchten aus dem Urgestein ságt, in Wasserstürzen sich verschwendet, zwischen grünenden Mattén sich sammelt, Dörfern heimatlichen Grund schenkt, die Rebe an sich zieht, in tropischer Flóra zum Geniesser wird und nach einem steten Stürzen und Gleiten, einem Werken und Wirken endlich in dem rund 200 Meter ü. d.M. gelegenen Lago Maggiore sich die wohlverdiente Ruhe gönnt. 2240 Meter Höhenunterschied, das will geschafft sein. Tessin - verbunden mit dem Artikel das, ist politisch der südlichste Kanton der Schweiz, geographisch eine der vielgestaltigsten Landschaften Europas und für den Kenner zugleich eine der schönsten. Das deutsche Wort Tessin besitzt nichts von der Geschmeidigkeit und dem Wohllaut, mit dem sich etwa Airolo, Lugano oder Locarno auf die Lippen legen; es hat das Harte, das Zischende eines Giessbaches, die Kühle eines Gletschers, das Spröde des Gesteins, wahrend das italienische Ticino bereits etwas von dem südlichen Kolorit einfliessen lasst. Der Tessin - das Tessin: beide durch den gleichen Namen miteinander verbunden und vom St. Gotthard an auch bis hinunter zum Verbano, zum Lago Maggiore, unlösbar vereint. Nur der Monté Ceneri, der wie eine máchtige umgrünte Sprungschanze von Süden sanft ansteigt und zur Magadinoebene jah abfallt, trennt den Kanton in das nördliche Sopraceneri und das südliche Sottoceneri. Hier verlauft auch die nicht ganz deutlich gezogene Grenze zwischen zwei Kulturlandschaften, wobei im Norden die Romanik und im Süden das Barock vorherrscht. 9