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Die Stadt
ist die Mutter, die Männer Mauern ziehen und Verordnungen schreiben läßt, die sie schaffen luid schwitzen heißt, die sie ohne Verdienst umarmt und ohne Schuld abweist. Sie macht das Bett und das Feuer; sie ist immer da und riecht nach Küche. Allezeit heckt und liegt und begräbt sie ihre Kinder.
Die Stadt ist eine Frau, die sich in einer Nacht erobern läßt — und das beim Kaffeekochen schon wieder vergessen hat. Wer aber um sie wirbt ohne Wunsch, dem gibt sie den Schlüssel sein Leben lang. Die Stadt ist im Frühling ein waghalsiges Mädchen, ein satter Birnbaum im Sommer und im Winter die wunderbare Windelwärme.
Die Stadt ist unwandelbar in grünen und in schwarzen Tagen; aber sie verwandelt, wen sie einmal in sich aufgenommen hat. Sie zeigt viele Röcke und viele Gesichter und manche üble Weiber-Gewohnheit. Aber sie hat für den, der sie liebt, auch immer einen Teller von der guten dicken Suppe, die so unvergleichlich nach zu Hause schmeckt. Dies Buch ist eine Liebeserklärung an Darmstadt. An eine Bürgerstochter, die aus strohgedeckten Katen in die höhere Beamtenlaufbahn wuchs, den schönen Künsten verfiel imd — als die wohlerworbenen Rechte im Flammensturm zu Asche wurden — auf altem Fundament ein neues Haus erbaute. Kein reiches Mädchen — weiß Gott — aber wolilgebildet und aus guter Familie; gesegnet mit jener leisen Schönheit, die dauert. Man verkehrte bei Hofe — notabene — man sah zu seiner Zeit die Kronen der hohen Häuser dieser Welt. Viel von dem Glanz ist nicht geblieben. Aber die wenigen Erbstücke sind erlesen. Was hinzukam, hat erst der aus Not geborene Mut, dann das aus dem Mut gewachsene Vertrauen, dann die aus dem Vertrauen wiedererweckte Freude am Wagnis geschaffen. Dies ist das Bild einer guten Stadt und der Menschen, die in ihr leben. An einem Tag im Sommer.