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Statt eines Vorworts: ein Brief von Georg LukácsBudapest, 15. 2. 1971Lieber Herr Crook!Ich danke Ihnen herzlich für Ihren Brief vom 21. i. 1971. Die darin gestellte Aufgabe, die Bücher der Zukunft anzudeuten, interessiert mich außerordentlich. Es ist ein Fragenkomplex, der in fruchtbarer Weise die tiefsten Tendenzen eines jeden bewußten Theoretikers sowohl die subjektiven wie die objektiven zu mobilisieren geeignet ist.Ich fange daher gleich mit der Zentralfrage an. Unmittelbar nach Kriegsende schien es, als ob die zweigeteilte Welt von jeweils einer Gedankenrichtung in unbestreitbarer Weise beherrscht würde. In der sozialistischen Welt gab es zur verzerrenden Stalinschen Interpretation des Marxismus keine sichtbare Gegenströmung. Und der kapitalistische Westen schien von der neopositivistischen gedanklichen Manipulierung des american way of life zumindest ebenso konkurrenzlos beherrscht zu sein.Die gesellschaftlichen Ereignisse des letzten Vierteljahrhunderts haben beide ideologischen Monopole stark erschüttert, in den Reihen ihrer Anhängerschaft ideologische Unsicherheit, ja Krisen hervorgerufen. Die immer stärkere Entfaltung dieser Bewegungen hat allmählich, freilich in sehr ungleichmäßiger Weise, aber deutlich gezeigt, daß die vor einem Vierteljahrhundert als längst überholt verachtete ursprüngliche Lehre und Methode von Marx immer mehr als herausragende Betrachtungsweise des theoretisch-praktischen Zusammenhangs der Geschichte der menschlichen Gesellschaftlichkeit angesehen zu werden verdient.Es wäre eine heuchlerische Bescheidenheit, wollte ich daran vorbeigehen, daß in dieser Wandlung der öffentlichen Meinung meine theoretischen Arbeiten eine bestimmte Rolle spielten und spielen. Indem ich diese Tendenzen mit innerer Genugtuung feststelle, fühle ich gleichzeitig die Verpflichtung, auszusprechen, daß es sich dabei dem Wesen nach7