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Mai 1998
Slibulsky und ich klemmten im leergeräumten Geschirrschrank eines kleinen brasilianischen Restaurants am Rand des Frankfurter Bahnhofsviertels und warteten auf Schutz-geldeintreiber.
Der Schrank war etwa ein Meter zwanzig breit und siebzig Zentimeter tief. Weder wegen Slibulsky noch mir mußte sich die Kleiderindustrie Sorgen um den Absatz ihrer xl-Größen machen, außerdem trugen wir kugelsichere Westen und wollten im Ernstfall eine Pistole und ein Schrotgewehr wenigstens so in Position bringen, daß wir uns nicht die eigenen Füße oder Köpfe wegschössen. Ich malte mir aus, wie die Schutzgeldeintreiber das Restaurant betraten, wie nach einer Weile aus der Ecke klägliche Rufe ertönten und wie sie die Schranktür öffneten, um zwei eingequetschte Vollidioten zu betrachten, die hilflos mit Armen und Beinen strampelten. Und ich stellte mir Romarios Gesicht dabei vor. Er war der Eigentümer und Wirt des >Saudade< und hatte mich um Hilfe gebeten.
Ich kannte Romario seit seinen ersten gastronomischen Schritten als Betreiber einer Imbißbude in Sachsenhausen. Bis heute war es bei einer Bekanntschaft geblieben. Ich freute mich, daß es ihn gab, wenn ich pleite war und er mir einen Teller Essen spendierte. Nicht so sehr freute ich mich.